Natur- und Artenschutz

Natur- und Artenschutz ist eine der vier Hauptaufgaben von wissenschaftlich geführten Zoos. Der Zoo Neuwied beteiligt sich daran durch Erhaltungszucht, durch Unterstützung vor Ort und mit seiner Bildungsarbeit.

Artenschutz durch Erhaltungszucht ("ex situ")

Der Zoo Neuwied ist Mitglied in diversen international agierenden Artenschutzverbänden.

Als einer von gut 400 wissenschaftlich geführten Zoos in Europa nimmt der Zoo Neuwied einen wichtigen Platz in der Erhaltungszucht von mehr als 31 Tierarten ein, indem er mit seinen Tieren und MitarbeiterInnen die EEPs (EAZA-Ex Situ-Programmes) des europäischen Zooverbands EAZA unterstützt.

EEP – Was ist das?! expand_more

EEP – Was ist das?!

Viele Tierarten sind in der Wildnis so stark durch Lebensraumzerstörung oder illegalen Tierhandel bedroht, dass ihre Bestände besorgniserregend schnell abnehmen. Gezielte Vermehrung in menschlicher Obhut ist neben dem Schutz des Lebensraumes und der Eindämmung des illegalen Handels ein wichtiger Faktor, um die Ausrottung einer Tierart zu verhindern. Die Tiere, die in Zoos gehalten werden, stellen eine Reservepopulation für ihre im Herkunftsland lebenden Artgenossen dar. Um diese wertvolle Population innerhalb der zoologischen Gärten zu bewahren, wurden europaweite Erhaltungszuchtprogramme (EAZA Ex-Situ Programmes, kurz EEPs) aufgebaut. Diese sollen langfristig dafür sorgen, dass Tiere im Rahmen von Wiederansiedlungsmaßnahmen wieder in die freie Natur verbracht werden können, sobald deren Schutz sichergestellt werden kann. Kurzfristig dienen die EEPs dazu, den Bestand einer Tierart in menschlicher Obhut gesund und genetisch möglichst groß zu halten. EAZA Webseite

EEPs im Zoo Neuwied expand_more

EEPs im Zoo Neuwied

In Neuwied wurden im Rahmen von EEPs in den letzten Jahren beispielsweise Humboldtpinguine, Balistare, Hornraben und Geparden gezüchtet und gezielt an andere Tiergärten in Europa vermittelt. Darüber hinaus bietet der Zoo Neuwied im Rahmen der EEPs für Rote Varis, Braune Klammeraffen und Przewalskipferde ein „Zuhause auf Zeit“ für männliche Tiere, die in Junggesellengruppen ihr arttypisches Verhalten erlernen sollen, bevor sie vom zuständigen EEP-Koordinator eine Empfehlung zur Verpaarung in einem anderen Zoo erhalten. Seit 2017 koordiniert der Zoo Neuwied federführend das EEP für Gelbwangenkakadus (Cacatua sulphurea) und gilt als erster Ansprechpartner für sämtliche EAZA-Institutionen, wenn es um die Fütterung, Unterbringung, Pflege und Zucht dieser hoch bedrohten indonesischen Papageienart geht.

Tierarten im Erhaltungszuchtprogramm

  1. Afrika-Marabu
  2. Ägyptische Landschildkröte
  3. Balistar
  4. Boliv. Totenkopfäffchen
  5. Borstenschwanz-Rattenkänguru
  6. Brauner Klammeraffe
  7. Brauner Ohrfasan
  8. Ecuadoramazone
  9. Europ. Wildkatze
  10. Flachlandtapir
  11. Gänsegeier
  12. Gelbwangenkakadu
  13. Gepard
  14. Grauhand-Nachtaffe
  15. Großer Ameisenbär
  16. Humboldtpinguin
  17. Kaiserschnurrbarttamarin
  18. Katzenbär
  19. Mähnenwolf
  20. Manul
  21. Ornamentvogelspinne
  22. Paradieskranich
  23. Przewalskipferd
  24. Roter Vari
  25. Rothaubenturako
  26. Schwarze Dickkopfschildkröte
  27. Sib. Tiger
  28. Sitatunga
  29. Skorpionskrustenechse
  30. Sonnensittich
  31. Spaltenschildkröte
  32. Springtamarin
  33. Südl. Hornrabe
  34. Südl. Tamandua
  35. Vikunja
  36. Von-der-Deckens-Toko
  37. Westl. Schimpanse
  38. Wickelbär
  39. Zweifingerfaultier

Artenschutz durch Unterstützung vor Ort ("in situ")

Aufnahme- und Auswilderungsstation expand_more

Aufnahme- und Auswilderungsstation

Der Zoo Neuwied unterstützt auf unterschiedliche Art und Weise Projekte zu Gunsten des Artenschutzes direkt in den Gebieten, in denen es nötig ist. Das fängt natürlich vor der eigenen Haustür an: Seit Anfang der 90er-Jahre fungiert der Zoo als offizielle Aufnahme- und Wiederauswilderungsstation für verletzte und verwaiste heimische Wildtiere. Weit über 100 „Pflegekinder auf Zeit“ werden dem Team des Zoos jährlich zur vorübergehenden Pflege übergeben – mehr als die Hälfte davon sind Singvögel. Die andere Hälfte entfällt auf Kleinsäuger wie Igel, Eichhörnchen, Kaninchen und Bilche einerseits sowie auf Wassergeflügel, Greifvögel und Eulen andererseits. In der Auffang- und Auswilderungsstation des Zoo Neuwied werden diese Tiere fachkundig versorgt und in den allermeisten Fällen wieder in ihren herkömmlichen Lebensraum überführt. Tiere, für die ein Verbringen an ihren ursprünglichen Fundort trotz bestmöglichen „Aufpäppelns“ den sicheren Tod bedeuten würde, dürfen als Dauergäste im Zoo Neuwied verbleiben. Jungvogel gefunden - was tun ?!

Handy Sammelaktion expand_more

Handy Sammelaktion

Der Lebensraum für die Menschenaffen wird immer stärker vom Menschen zerstört. Ein Grund für die Zerstörung des Zentralafrikanischen Regenwaldes ist z.B. der Abbau von Coltanerz. Coltan ist ein Metall, welches überirdisch abgebaut wird. Dadurch werden große Flächen des ursprünglichen Regenwaldes in karge Landschaften verwandelt. Verschiedene Metalle, u.a. auch Coltan, werden in Handys verarbeitet. Ein Recycling von diesem Metall ist möglich und kann dann der verarbeitenden Industrie wieder zugeführt werden. Dadurch können die natürlichen Vorkommen geschont werden. Spenden Sie Ihr altes Handy und helfen so, den Lebensraum von Schimpanse und Gorilla zu retten. Die Aktion wird in Kooperation mit Mobile Box durchgeführt. Der Erlös geht an das „Goualougo Triangle Ape Project“ im Kongo, wo der Lebensraum der Schimpansen geschützt werden soll und die Bevölkerung über die Wichtigkeit dieses Gebiets für die Menschenaffen aufgeklärt wird. weitere Informationen

EAZA-Kampagne: Silent Forest (2017-2019) expand_more

EAZA-Kampagne: Silent Forest (2017-2019)

Der Zoo Neuwied beteiligt sich an den Kampagnen des Europäischen Zooverbands (European Association of Zoos and Aquaria , kurz EAZA), die auf bestimmte Themen im Artenschutz aufmerksam machen und verschiedene Artenschutzprojekte unterstützen. Seit Ende 2017 bis Ende 2019 läuft die aktuelle Kampagne „Silent Forest“, die auf die drohende Ausrottung von Singvogelarten in Südostasien aufmerksam machen soll. Jeden einzelnen Tag werden Singvögel in den südostasiatischen Wäldern im großen Stil gefangen, um sie als Haustiere zu halten oder an traditionellen Singwettbewerben teilnehmen zu lassen. Viele von ihnen überleben nur wenige Tage in den winzigen Käfigen, in denen sie gehalten werden. Einige der gefragtesten Arten sind in unmittelbarer Gefahr auszusterben. Auf manchen Inseln sind sie bereits verschwunden und kehren nie mehr zurück. Jetzt ist die Zeit zu handeln, bevor die Wälder für immer verstummen! Mit Hilfe von Spendensammlungen sollen verschiedene Projekte in Südostasien unterstützt werden, um u.a. die Aufmerksamkeit der einheimischen Bevölkerung auf dieses Thema zu lenken und Wiederansiedlungsmöglichkeiten auszuloten. weitere Informationen

Ferngläser-Sammelaktion expand_more

Für die EAZA-Kampagne „Silent Forest“ sammelt der Zoo Ferngläser für die Kinder in Indonesien. Diese erlauben den Kindern und ihren Eltern einen faszinierenden Einblick in die Vogelwelt Asiens. Sie lernen die Vögel in Freiheit wertzuschätzen – was sie vielleicht dazu bewegen wird, die dort heimischen Singvögel aktiv zu schützen. Wer die Aktion ebenfalls unterstützen möchte, kann funktionsfähige Ferngläser jederzeit im Zoo abgeben.

Sphenisco – Schutz des Humboldtpinguins e.V. expand_more

Sphenisco – Schutz des Humboldtpinguins e.V.

Der Zoo Neuwied ist Mitglied des Vereins Sphenisco – Schutz des Humboldt-Pinguins e.V. , der in Zusammenarbeit mit chilenischen Naturschützern und Wissenschaftlern dazu beitragen möchte, den Humboldt-Pinguin vor der Ausrottung zu bewahren. Der frei lebende Bestand an den Küsten Chiles und Perus ist durch eine ganze Reihe von Faktoren bedroht. Der Rückgang des Fischbestandes durch Überfischung und Klimaveränderungen, Meeresverschmutzung, und illegaler Guanoabbau nehmen dem Humboldt-Pinguin zunehmend die Lebensgrundlage. Zudem verenden Tiere in Fischernetzen, sterben beim Fischfang mit Dynamit oder werden gefangen, verzehrt oder als Fischköder benutzt. Unkontrollierter Tourismus stört die Tiere in ihren Brutkolonien und vermindert den Bruterfolg. Vorrangige Ziele, um den Humboldt-Pinguin vor der Ausrottung zu bewahren, sind die Unterschutzstellung und Überwachung von Brutkolonien, die Errichtung von Meeresschutzzonen und die Durchsetzung von Fangverboten mit Kiemennetzen sowie die Verhinderung des Fischens mit Dynamit. Darüber hinaus ist es wichtig, die lokale Bevölkerung für Natur- und Artenschutzthemen zu sensibilisieren und alternative Einkommensquellen z.B. im so genannten Ökotourismus zu schaffen. Der Zoo Neuwied beteiligt sich regelmäßig mit Aktionen zum Welt-Pinguintag und macht auf die Wichtigkeit des Humboldtpinguinschutzes aufmerksam. weitere Informationen

Zootier des Jahres expand_more

Zootier des Jahres

edes Jahr wird ein neues Zootier des Jahres als Artenschutzkampagne der Verbände Zoologische Gesellschaft für Arten- und Populationsschutz e.V. (ZGAP), Deutsche Tierparkgesellschaft e.V. (DTG), Gemeinschaft deutscher Zooförderer e.V. und Verband der Zoologischen Gärten e.V. (VdZ) vorgestellt. Bei der Wahl zum jeweiligen „Zootier des Jahres“ berücksichtigt die ZGAP Tierarten die wenig bekannt aber hochbedroht sind. In der jüngeren Vergangenheit wurden schon zahlreiche, teils große Arten unbeachtet von der Öffentlichkeit ausgerottet – einfach, weil man nicht ausreichend über sie wusste oder weil sie nicht genug Anklang in den Medien fanden. Im Jahr 2019 ist der Gibbon das Zootier des Jahres. Mit Hilfe von Spenden werden verschiedene Projekte vor Ort unterstützt, um den Lebensraum zu erhalten. Auch der Zoo Neuwied beteiligt sich an diesen Projekten. weitere informationen

Artenschutz durch Umweltbildung

Dem Team des Zoo Neuwied ist es ein großes Anliegen, die Notwendigkeit des Schutzes diverser Tierarten an seine Besucherinnen und Besucher zu vermitteln. Tiere im Zoo haben immer auch die Funktion eines Botschafters für ihre wildlebenden Artgenossen. Im Rahmen der Gehegebeschilderung, kommentierten Fütterungen, wechselnden Ausstellungen und zahlreiche Zooschulangebote werden nicht nur Fakten rund um die im Zoo Neuwied gehaltenen Tiere präsentiert, sondern immer auch deren Bedrohung in der „freien Natur“ thematisiert. Ziel ist es, Besucherinnen und Besucher jeden Alters für Artenschutzbelange zu sensibilisieren und Denkanstöße für ein eigenes, verantwortungsvolles Handeln anzubieten.